Wurst oder nicht Wurst
Da es momentan wieder etwas Wirbel um das gute deutsche Fleisch gibt, hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen hervorragenden Kommentar dazu verfasst. Der ist sogar so gut, dass wir ihn ohne weiteren Kommentar unsererseits (gekürzt) zitieren.
Man möge uns das verzeihen.
[...] Die vierte Panscherei hat der Verbraucher in diesem Jahr miterleben müssen mitsamt der öffentlichen Erregung. Die paar Lebensmittelkontrolleure durch eine Handvoll weitere zu verstärken und Meldepflichten für Zufallsfunde einzuführen wäre nichts als Augenwischerei. Viel zu verführerisch ist es, mal eben schnell auf der Resterampe einzukaufen und den Gammel mit neuem Etikett auf den Markt zu werfen, wenn man ihn gerade günstig verramschen kann. Der enorme Kostendruck in der Erzeugung kommt hinzu. Wer will garantieren, daß die Reste, die vor der BSE-Krise wenigstens noch als Tierfutter verwertet werden konnten, sich nicht im Döner wiederfinden? Der Preisdruck im Handel ist auch nicht schlecht, seitdem die Discounter Frischfleisch im Angebot haben. Weil jeder für sich ums Überleben kämpft, ist es wohl auch kein von langer Hand organisiertes Verbrechen, das hinter den Skandalen steckt, sondern eine Aneinanderreihung von Einzelfällen - jedenfalls gilt das noch, bis die Mafia auf den Geschmack kommt.
Das Problem mit der Wurst ist zum großen Teil hausgemacht. Wer meint, das hochwertigste Lebensmittel müsse im Ein-Euro-Laden zu kaufen sein, darf sich am Ende nicht wundern, wenn sich im Schweinemett auf der Stulle sieben Nationen wiederfinden, weil die billigsten Chargen zusammengepanscht worden sind. Fleisch gibt es auch beim Erzeuger und bei Metzgern, die genau sagen können, woher sie ihre Schnitzel beziehen. Real wurde wegen des faulen Hacks abgestraft, obwohl das Unternehmen dafür - es war der erste Skandal in diesem Jahr - eigentlich gar nichts konnte.
Der Verbraucher hat schon ein feines Näschen.
Er brauchte eigentlich nur noch ein besseres Gedächtnis.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung / faz.net


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